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Startseite » Gelsenkirchen » Alles im Fluss in der Fossilfundstelle

Alles im Fluss in der Fossilfundstelle

25. November 2025
in Gelsenkirchen
Reading Time: 4Minuten Lesezeit
Alles im Fluss in der Fossilfundstelle
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(openPR) Herden von Urpferden, Zwergbiber und Schildkröten am Ufer eines bis zu 50 Meter breiten Flusses, Riesen-Kraniche und frühe Menschenaffen, die schon auf zwei Beinen laufen konnten – solche Funde machen die Hammerschmiede zu einem Fenster in eine längst vergangene Welt und zeigen, wie vielfältig das Leben in Mitteleuropa vor etwa 11,6 Millionen Jahren war. „Aktuell sind uns aus der Hammerschmiede 174 Tierarten bekannt – darunter 88 Säugetiere und eine bemerkenswert vielfältige Raubtierfauna mit 29 Fleischfresserarten. Auch die Schildkrötenfauna mit zehn Arten sowie die enorme Menge an Fischfossilien – bis zu 1,6 Millionen pro Tonne Sediment – unterstreichen den außergewöhnlichen Reichtum der damaligen Ökosysteme. Die laufenden Grabungen und Forschungen haben die zuletzt veröffentlichten Zahlen bereits überholt – auch unsere Diversitätsdaten befinden sich im stetigen Fluss“, erläutert Prof. Dr. Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen.

Böhme hat gemeinsam mit Thomas S. Lechner, dem Grabungsleiter der Fossilfundstelle Hammerschmiede, im Rahmen von dessen Dissertation bislang unbekannte Erkenntnisse aus den jüngsten Ausgrabungen in der Senckenberg-Publikation „The early Late Miocene hominid locality Hammerschmiede (Bavaria, Southern Germany) – excavation, stratigraphy, and taphonomic insights“ auf fast 100 Seiten zusammengefasst. „Seit 2011 und insbesondere seit 2017, haben die Fossilienfunde in der Hammerschmiede dank verbesserter Methoden sowohl qualitativ als auch quantitativ zugenommen, was uns detaillierte räumliche und taphonomische Untersuchungen ermöglicht“, erklärt Lechner und fährt fort: „Unsere Monografie zeigt, dass die hohe Biodiversität eng mit den geologischen Rahmenbedingungen der Fundstelle verknüpft ist. Unterschiedliche Flussdynamiken, wechselnde Vegetationsstrukturen und variable klimatische Signale führten zu einem räumlich wie zeitlich hochkomplexen Ökosystem.“

Die Sedimentabfolge der Fundstätte umfasst sieben fossilhaltige Schichten, die auf ein Alter von 11,62 bis 11,56 Millionen Jahren datiert sind. Im Zentrum der neuen Publikation stehen zwei übereinanderliegende fossile Flusssysteme – HAM4 und HAM5 –, die sich trotz ihrer räumlichen Nähe deutlich unterscheiden. HAM4 repräsentiert einen mäandrierenden, bis zu 50 Meter breiten Fluss, dessen Sandablagerungen und Strömungsstrukturen sich detailliert rekonstruieren lassen. Sorgfältige Analysen der Sedimente und der Orientierung von Holz- und Knochenfunden zeigen einen Flusslauf mit starken Schwankungen in Wasserführung und Strömungsdynamik. Die darunter liegende Schicht HAM5 dagegen kennzeichnet ein deutlich kleineres, stabileres Rinnensystem. Hier lebten unter anderem die beiden Menschenaffen Danuvius guggenmosi und Buronius manfredschmidi, deren Überreste überwiegend in Form autochthoner – also am Fundort entstandener – Skelettlagen erhalten sind. „Besonders auffällig ist das atypische Muster der Knochenverteilung in beiden Flussläufen: Neben schweren und voluminösen Skelettelementen sind auch einige normalerweise leicht transportierbare, flache Knochen erhalten – während andere Vertreter derselben Kategorie fehlen. Wir führen dieses selektive Muster auf die Substratbeschaffenheit zurück: Feinkörnige, weiche Sedimente könnten flache Elemente stellenweise festgehalten haben, während kompaktere oder anders geformte Knochen von der Strömung weitertransportiert wurden“, fügt Lechner hinzu.

Ein weiterer Fokus des umfangreichen Werkes liegt auf biogenen Spuren: Knochen zeigen Fraßspuren von Gliederfüßern, Nagespuren kleiner Säuger und Hinweise auf intensive Nutzung durch große fleischfressende Säugetiere. Zudem belegen mikroskopische Verwitterungserscheinungen und biofilmartige Korrosion, dass viele Elemente für längere Zeit im Wasser lagen, bevor sie endgültig eingebettet wurden. Die mikropaläontologische Untersuchung von mehr als 22.000 kleinen Wirbeltierfossilien und pflanzlichen Resten verdeutlicht erhebliche Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Schichten. „Während HAM4 eine relativ spärlich bewaldete Uferlandschaft mit wiederkehrender Feueraktivität widerspiegelt, dominiert in HAM5 eine strukturreichere, bewaldete Umgebung mit zahlreichen Insektenfressern und Nagern. Beide Gewässer hatten saubere, sauerstoffreiche Bedingungen, die ein vielfältiges Wasserleben, einschließlich Riesensalamandern und Flussperlmuscheln, ermöglichten“, so Böhme.

Eine wichtige Erkenntnis betrifft zudem die zeitliche Einordnung der Ablagerungen: Die „point-bar“-Strukturen im HAM4-Flusssystem – also jene sandigen Ablagerungen, die in den inneren Kurven eines mäandrierenden Flusses entstehen – lassen sich einzelnen Mäanderschleifen zuordnen, die jeweils etwa 100 bis 200 Jahre abbilden. „Dadurch bietet die Hammerschmiede eine zeitliche Genauigkeit, wie sie bei Fossillagerstätten an Land bisher kaum erreicht wurde. Diese hohe Auflösung ermöglicht künftig detaillierte Studien zur Artenvielfalt, zu Populationsentwicklungen und zu ökologischen Prozessen im späten Miozän. Es erlaubt uns, biologische und geologische Veränderungen fast in ‚Echtzeit‘ innerhalb der Erdgeschichte zu verfolgen“, fasst Böhme zusammen.

Um die wissenschaftliche Schatzgrube Hammerschmiede künftig noch umfassender und detailreicher erforschen zu können, wird derzeit ein neues Forschungsvorhaben im Rahmen der Exzellenzstrategie auf den Weg gebracht. Der Exzellenzcluster TERRA, das in diesem Sommer von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Tübingen und Hohenheim gemeinsam mit Senckenberg erfolgreich eingeworben wurde, will den Ursachen der außergewöhnlichen Biodiversität der Hammerschmiede nachgehen. Die erwarteten Ergebnisse sollen dabei helfen, die steuernden Faktoren der heutigen Biodiversität im Kontext des menschlichen Einflusses besser zu verstehen – und sie für kommende Generationen zu bewahren.

wissenschaftliche Ansprechpartner: Prof. Dr. Madelaine Böhme Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen Tel. 07071 29 73191

Thomas Lechner Universität Tübingen Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment Tel. 7071 29 77378

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