(openPR) Eingangs rekonstruiert eine Kartierung der pandemiebezogenen Wissenschaftskommunikation die wichtigsten Kommunikationsereignisse. Dabei werden Natur- und medizinische Wissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften jeweils näher betrachtet. Sodann geht es um wissenschaftsbezogene Kommunikationen jenseits des Herkömmlichen. Abschließend werden die wissenschaftsbezogenen Kommunikationsformen in der Pandemie, die Aufmerksamkeitskonkurrenzen der wissenschaftlichen Disziplinen und die Sprecherrollen herausgearbeitet.
Zu konstatieren ist, dass sich ein breites Spektrum des Gelingens, Halbgelingens und Misslingens ergab. Auf der einen Seite erzeugten viele Wissenschaftskommunikationsakte positive Resonanz, wurden die sog. sozialen Medien häufig sehr souverän bespielt, kam es zu überraschenden Entdeckungen von Kommunikationstalenten in der Wissenschaft oder lief der Wissenschaftsjournalismus überregionaler Qualitätsmedien zur Hochform auf. Auf der anderen Seite standen handwerkliche Insuffizienzen, Rezeptionshavarien, ein Anti-Wissenschaftsjournalismus, um den sich vor allem Boulevardmedien verdient machten, und ‚destruktive Wissenschaftskommunikation‘, die Pandemieskepsis mit wissenschaftlich wirkenden Argumentationen munitionierte.
War in der Pandemie eine vielfach geforderte Kommunikationsweise gestärkt worden, die multidirektionale Kommunikation mit der Gesellschaft? Deren generelles Anliegen besteht darin, von einem kommunikativen Defizitmodell – Wissenschaft belehrt, wissensdefizitäre Öffentlichkeit lernt – zu einer stärkeren Partizipation der Öffentlichkeit an der Wissenschaft zu kommen. Hier wurden fünf Entwicklungen untersucht:
partizipative und multidirektionale Kommunikationen forschender Einrichtungen (blieben auf demselben Niveau wie vor der Pandemie, Ausnahme: Nutzung von Social-Media-Plattformen bzw. responsiver Medien); Bewertung wissenschaftlicher Ergebnisse durch Laien, z.B. in Preprint-Portalen (wissenschaftliche Texte wurden teils zu Gegenständen öffentlicher Diskussionen, nicht zuletzt durch Verlinkungen auf Twitter); Archive und Museen als dritte Orte der Wissenschaftskommunikation (Sammlungsaufrufe an die Bevölkerung zur öffentlichen Dokumentation der Pandemie führten bisher zu überschaubaren Ergebnisse, z.B. in Gestalt vereinzelter Online-Präsentationen); wissenschaftsbezogene Kommunikation im Lokaljournalismus (nahm nicht zu, sondern ging deutlich zurück, allerdings wiederum pandemiebedingt: Kontaktbeschränkungen reduzierten die Berichtsereignisse); Nutzung von Wissenschaft für behördliche Kommunikationsstrategien der Pandemiebewältigung auf lokaler Ebene (wurde gelegentlich zur Beglaubigung behördlichen Handelns herangezogen, blieben aber selten).
Insgesamt hat die Corona-Pandemie partizipativer oder multidirektionaler Kommunikation aus den Wissenschaftseinrichtungen zumindest keinen Schub gegeben. Hier mag die Schlussfolgerung naheliegen, dass Krisen keine guten Katalysatoren für Kommunikationsexperimente sind.
Zwei Fragen ergeben sich aus der Pandemie sowohl für jegliche Wissenschaftskommunikation als auch für solche in Krisensituationen: Wie können über bisher Übliches hinaus Wirkungen von Wissenschaftskommunikation erfasst werden? Wie können in Studiengängen diejenigen, die nach ihrem Studium Entscheiderpositionen besetzen und dabei aussendend oder empfangend und respondierend in Wissenschaftskommunikation involviert sind, darin ertüchtigt werden, angemessen senden, empfangen und respondieren zu können? Diese beiden Fragen werden abschließend beantwortet.
Die Untersuchungen wurden mit finanzieller Förderung der Volkswagen Stiftung und des BMBF, die Open-Access-Publikation mit Unterstützung des Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung realisiert.
wissenschaftliche Ansprechpartner: Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Prof. Peer Pasternack,
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