(openPR) Zweimal vier Kategorien sind in eine Gesamtbetrachtung einzubeziehen. Einerseits betraf der ostdeutsche Wissenschaftsumbau vier Segmente des bisherigen DDR-Wissenschaftssystems: die Hochschulen, die Akademien-Forschung, die Ressort- und die Industrieforschung. Andererseits hatte er nicht nur, wie es landläufige Wahrnehmungen erscheinen lassen, eine strukturelle und eine personelle Dimension (die beide abgeschlossen sind), sondern auch eine kulturelle und eine inhaltliche (beide mit bis heute immer wieder aktualisierten Wirkungen, z.B. hinsichtlich der Akzeptanz von und Resonanz auf Wissenschaft in den ostdeutschen Regionen). Diese Gesamtbetrachtung leistet Peer Pasternacks Neuerscheinung „Die vier Dimensionen des ostdeutschen Wissenschaftsumbaus ab 1990“.
Strukturell waren im Hochschulbereich die Einführung des Universitäts-Fachhochschule-Dualismus und deutliche Hochschulkapazitätserweiterungen zentral, im außeruniversitären Bereich die Wissenschaftsratsevaluationen, die Entwicklung der Blauen Liste zur WGL infolge der ostdeutschen Zugänge (knapp die Hälfte der WGL-Institute befindet sich in Ostdeutschland) und der weitgehende Verzicht auf die 77 Ressortforschungseinrichtungen, davon 47 naturwissenschaftliche bzw. medizinische, ohne Evaluationen sowie der Zusammenbruch der wirtschaftsgebundenen Forschung.
Am stärksten konfliktbeladen war innerhalb des Wissenschaftsumbaus der Personalumbau. Zum Ende der 90er Jahre waren 65 % des wissenschaftlichen Personals aus akademischen Beschäftigungsverhältnissen exkludiert. Unter Einbeziehung der Industrieforschung betrug der Wert 72 %.
Die neuen Strukturen und Personen transportierten auch neue Normen, abweichende Rekrutierungspfade und soziale Beziehungen in Gestalt informeller Netze. Es kam zu Kollisionen zwischen Ost und West, da in beiden Wahrnehmungskollektiven beständig Selbst- wie Fremdzuordnungen und Stereotype aktualisiert wurden. Zwar werden auch positive Kontakterfahrungen geschildert. Doch gibt es einen Indikator, der plausibel macht, warum dies seltener ist, als es die Problembeschreibungen sind. Dieser Indikator ist die am unteren Rande der Wahrnehmbarkeit verharrende Repräsentanz Ostdeutscher in akademischen Führungspositionen, die sich überdies bis heute nicht abbaut.
Der ostdeutsche Wissenschaftsumbau ist sehr divers beschrieben worden: „Erfolgsstory“, „Wissenschaftskatastrophe“, „Kolonisierung auf Einladung“, „Erneuerung mit Bedauern“. Inzwischen gelten die Abläufe weithin als suboptimal, während ihre letztlichen Ergebnisse als akzeptabel bis positiv eingeschätzt werden. Unabhängig von solchen Bewertungen lässt sich festhalten: Es wurde eine – nicht zu vermeidende – Systemintegration der ostdeutschen Wissenschaft vollbracht, die allerdings nur sehr beschränkt mit einer Sozialintegration einherging.
Parallel zum Buch ist eine annotierte Bibliografie zum Thema erschienen. Sie weist 1.691 selbstständige Titel nach. Diese potenziell abschreckende Literaturfülle wird durch zweierlei rezipierbar gemacht: zum einen eine kluge Gliederung, insbesondere die Unterscheidung von „Prozessbegleitenden Publikationen“ sowie „Retrospektionen und Ergebnisdarstellungen“, zum anderen die optische Hervorhebung von fünf Prozent der Titel als besonders aussagekräftige.
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